Wahrnehmung, Umgebungen und die Muster, die sie verbinden
Ich bin Thorsten Becker, Autor und Perzeptionsanalytiker.
Meine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Umgebung, Wahrnehmung und innerer Orientierung. Sie ist aus einem lebenslangen Zusammenspiel von Sensitivität, Beobachtung und Struktur entstanden – und aus einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit der Frage, wie äußere Räume innere Erfahrung prägen.
Dabei geht es mir nicht um Offenbarung, sondern um Perspektive: um das Zusammenführen von Beobachtung, gelebter Erfahrung und konzeptioneller Forschung und um das Sichtbarmachen von Zusammenhängen, die oft gespürt, aber selten bewusst benannt werden.
Ich entwickle Methoden, die erfahrbar machen, wie natürliche, urbane und digitale Umgebungen Wahrnehmung, Emotionen und innere Ausrichtung beeinflussen. Diese Praxis bezeichne ich als Sinneskartografie.
Im Zentrum meiner Arbeit steht die Frage, wie Umgebungen Orientierung ermöglichen oder erschweren. Daraus entwickelte sich die Sinneskartografie – ein Ansatz, der untersucht, wie äußere Bedingungen innere Erfahrung strukturieren und wie daraus emotionale, kognitive und erfahrungsbezogene Muster entstehen.
Um diese Prozesse greifbar zu machen, arbeite ich mit mehreren Wahrnehmungsrahmen und Kartierungssystemen. Sie helfen, innere Vorgänge zu sehen, zu benennen und zueinander in Beziehung zu setzen. Dazu gehören:
Waldverloren, Sinneszuflucht und Virtualresonanz – natürliche, urbane und digitale Wahrnehmungsräume
FEMS – Fuzzy Emotion Mapping System
CORE – Cognitive Orientation and Relation
Stellary – Sensory Memory Constellations
PACE & SCENT – Rhythmen von Bewegung und Rückkehr
Gemeinsam fördern diese Werkzeuge Klarheit, reduzieren Überwältigung und unterstützen bewusste Orientierung – persönlich, kreativ und professionell.
Ich habe lange nach Wegen gesucht, Sensitivität, Struktur und Sinn in eine stimmige Praxis zu bringen. Mich beschäftigte, wie sich tief empfundene, schwer greifbare Erfahrungen sichtbar machen lassen – und wie Halt und Richtung entstehen können, wenn Komplexität überwältigt.
Wir alle bewegen uns durch Umgebungen, die Spuren hinterlassen: Wälder, Städte, Arbeitsräume, digitale Welten, Rückzugsorte. Oft unterschätzen wir, wie stark sie Stimmung, Wahrnehmung und unser Gefühl von Möglichkeit beeinflussen. Wird diese Wechselwirkung bewusst, gewinnt innere Orientierung an Stabilität.
Diese Art von Wahrnehmung greifbar zu machen, ist der Kern meiner Arbeit.
Klarheit entsteht selten durch vorgezeichnete Wege. Sie zeigt sich meist erst in der Bewegung selbst – Schritt für Schritt im Gehen. Bedeutung offenbart sich nicht im Voraus, sondern im Vollzug.
Meine berufliche Laufbahn war lange darauf ausgerichtet, Komplexität in Klarheit zu übersetzen, um Orientierung und Entscheidungsfähigkeit zu unterstützen. Mit der Zeit verlagerte sich dieser Fokus von Metriken zu Bedeutung, von quantitativer Auswertung hin zu Sensemaking – ohne analytische Sorgfalt aufzugeben.
Als hochsensibler Mensch waren Umgebungen früh zentrale Anker für mich. Mit der Zeit wurde mir klar: Umgebungen sind nie neutral. Sie formen Aufmerksamkeit, Stimmung und innere Richtung, oft unbemerkt.
Sensitivität erwies sich dabei nicht als Schwäche, sondern als fein abgestimmtes Wahrnehmungsinstrument. Systemisches Denken half mir, das Wahrgenommene zu strukturieren. Kartierung gab diesen Einsichten Form und machte Komplexität begehbar.
Aus wiederkehrenden Beobachtungsmustern entstand das Attuned Perception Framework (APF). Es beschreibt einen einfachen, wiederholbaren Prozess: wahrnehmen, sich orientieren, das Erlebte kartieren und in achtsamen Schritten weitergehen.
APF ist kein starres Modell, sondern ein adaptiver Rahmen. Er verbindet Wahrnehmung, Denken und Erinnerung mit Ort und Umgebung und vereint vier prägende Kräfte meiner Arbeit:
Sensitivität als Wahrnehmungsstärke, Systemdenken als Struktur, Umgebungen als Einfluss und Kartierung als Mittel zur Klarheit.
APF umfasst drei Wahrnehmungswege, die zeigen, wie unterschiedliche Umgebungen Orientierung ermöglichen:
Waldverloren – Klarheit durch Natur
Langsame Bewegung, Rhythmus und sensorische Aufmerksamkeit im natürlichen Raum.
Sinneszuflucht – Ruhe in urbaner Textur
Städtische Mikro-Orte, Architektur und Atmosphäre als Quelle von Resonanz und Sammlung.
Virtualresonanz – Emotion in digitalen Welten
Wie Spielwelten Präsenz, Empathie und emotionale Kohärenz erzeugen.
Diese Wege sind keine Kategorien, sondern unterschiedliche Arten, Umgebungen zu erfahren und sich in diesen auszurichten.
APF übersetzt Wahrnehmung in sichtbare, verständliche Formen. So werden Gefühle, Gedanken und Erinnerungen leichter einzuordnen.
FEMS – Fuzzy Emotion Mapping System
Emotionen kartieren und Muster erkennen.
CORE – Cognitive Orientation and Relation
Gedanken ordnen und Beziehungen sichtbar machen.
Stellary
Sinneseindrücke und Erinnerungen zu inneren Sternbildern verbinden.
Alle Werkzeuge sind bewusst einfach gehalten – analog, kreativ und ohne Vorkenntnisse nutzbar.
Damit Klarheit bleibt, braucht es einen sanften Rhythmus und gelegentlich Begleitung.
PACE – Purpose · Action · Calm · Energy
Ein Bewegungsrhythmus für klare Schritte.
SCENT – Sense · Center · Envision · Note · Tend
Eine kurze sensorische Rückkehrsequenz für Präsenz.
Ergänzt werden sie durch äußere Begleitung und innere archetypische Stimmen, die Wahrnehmung vertiefen.
Der Rahmen des APF bleibt bewusst abstrakt. In der Praxis richtet sich der Blick jedoch auf das, was sich in realen Umgebungen tatsächlich zeigt.
Perzeptionssignale bezeichnen jene erfahrungsbezogenen Hinweise, die in realen Umgebungen auftreten und im Rahmen der Perzeptionsanalyse beobachtet und eingeordnet werden. Sie sind kein Bestandteil des APF selbst, sondern dessen angewandter Beobachtungsgegenstand.
Jede Umgebung sendet solche Signale aus – erfahrungsbezogene Hinweise, anhand derer sich Menschen orientieren, oft ohne bewusste Entscheidung.
Diese Signale entstehen aus dem Zusammenspiel von:
materiellen Qualitäten (Oberfläche, Gewicht, Textur)
räumlicher Struktur (Maßstab, Dichte, Übergänge)
sensorischen Bedingungen (Licht, Klang, Rhythmus)
sozialer Atmosphäre (Haltung, Interaktion, Präsenz)
Gemeinsam beantworten sie unausgesprochene Fragen wie:
Was für ein Ort ist das?
Wie soll ich mich hier bewegen oder verhalten?
Fühle ich mich orientiert und getragen – oder unsicher und angespannt?
Meine Arbeit richtet die Aufmerksamkeit auf diese Signale: darauf, wie sie sich ergänzen oder widersprechen und wie sie Erleichterung, Zögern, Resonanz oder Rückzug prägen.
In angewandten Kontexten nimmt diese interpretierende Arbeit – auf Basis des APF – konkrete Formen an. Perzeptionsanalyse kommt dort zum Einsatz, wo Erfahrung sich verdichtet hat, Orientierung jedoch noch fehlt – etwa nach Messen, Ausstellungen, Pop-ups oder in gemeinsam genutzten Räumen.
Perzeptuelles Debriefing
ist das zentrale Format nach temporären Formaten. Es verbindet eine Phase aufmerksamer Beobachtung mit einem strukturierten Reflexionsgespräch. Im Mittelpunkt stehen wahrgenommene Muster von Aufmerksamkeit, Resonanz, Überforderung oder Reibung – nicht Bewertung oder Optimierung.
Perzeptuelle Snapshots
kommen in fortlaufend genutzten Räumen wie Läden, Cafés oder Showrooms zum Einsatz, insbesondere an Entscheidungspunkten. Sie bieten eine fokussierte Einordnung aktueller Wahrnehmungsmuster, ohne in Intervention überzugehen.
Perzeptuelle Field Notes
können ergänzend entstehen. Sie bündeln Beobachtungen, Gesprächsinhalte und kartierende Elemente zu einem stabilen internen Referenzdokument – ohne Checklisten, Empfehlungen oder Urteile.
Allen Formaten gemeinsam ist: Sie operieren vor Evaluation, Optimierung oder Designentscheidungen. Ihr Zweck ist Klärung, nicht Eingriff.
Ein großer Teil meiner Arbeit entsteht im Dialog: durch Schreiben, Gespräche und gemeinsame Erkundung.
Da ich international arbeite, sind alle vollständigen Dokumentationen derzeit auf Englisch verfügbar (siehe
APF Library auf Google Drive. Die englischsprachige Hauptseite bietet die umfassendste Darstellung meiner Arbeit.
Für Austausch oder Gespräche stehe ich jederzeit gern zur Verfügung – unverbindlich und erkundend